Geschichte der evangelischen Kirche in Siershahn

Aktueller Artikel: Evangelische Kirche Siershahn soll abgerissen werden

Abschiedsgottesdienst in 2009

Am Ostersonntag 2009 hat sich die evangelische Martin-Luther-Gemeinde von ihrer Kirche in Siershahn verabschiedet. In einem bewegenden Gottesdienst wurde Rückschau gehalten auf die Geschichte des Kirchengebäudes, das für Menschen eine geistliche Heimat war. Hier wurde Sonntag für Sonntag Gottesdienst gefeiert. Gemeindeglieder wurden in der Kirche getauft, konfirmiert und getraut. Mit dem Heraustragen der liturgischen Geräte ging die fast 50-jährige Nutzung des Gebäudes als zweiter Gottesdienstort der Kirchengemeinde Wirges zuende.

In seiner Predigt betonte Propst Michael Karg (Herborn), dass die Kirche die Frage nach ihren Strukturen immer wieder neu stellen müsse. Das gelte auch für die Gebäude. Strukturfragen seien keine Fragen des Heils. Die Strukturen der Kirche müssten so gestaltet werden, dass sie die Christen in ihrem Auftrag unterstützen, „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ zu sein.

Bau der Kirche in den Jahren 1961-1963

Die evangelische Kirche in Siershahn war in den Jahren 1961 bis 1963 erbaut worden. Damals erwartete man, dass die Zahl der Evangelischen anwachsen und Siershahn einmal eine eigenständige Kirchengemeinde würde. Aus diesem Grund enstanden besondere Eigentumsverhältnisse: Anders als üblich, wurde nicht die zuständige Kirchengemeinde Wirges Eigentümerin der Kirche, sondern treuhänderisch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Mit Gründung einer eigenen Kirchengemeinde sollte die EKHN das Eigentum an die Kirchengemeinde Siershahn übertragen.

Kirche Siershahn

Kirche Siershahn

Am 1. Dezember 1963, dem 1. Advent, wurde die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst ihrer Bestimmung übergeben.

Sanierungen

Bald zeigte sich, dass die bauliche Qualität des Kirchengebäudes mangelhaft war. In den Jahren 1970 und 1971 musste die Kirche saniert werden, weil Feuchtigkeit in den Beton eindrang. 1975 wurde der Glockenturm instandgesetzt. 1985 wurde das Kirchengebäude erneut saniert; die Statik war gefährdet. 2001 schließlich wurde der Glockenturm abgerissen, weil auch er erneut sanierungsbedürftig war.

Erster Beschluss zur Kirchenschließung in 2001

Auch für die Zukunft der Kirche waren hohe Sanierungskosten absehbar. Da die Kirche nur wenig genutzt wurde, diskutierte der Kirchenvorstand seit den 1990er-Jahren intensiv die Zukunft des Gebäudes. Der ursprüngliche Zweck, Mittelpunkt einer Kirchengemeinde Siershahn zu werden, hatte sich überholt – die Mitgliederentwicklung ließ eine solche Ausgründung nicht zu. Siershahn war zur Filialkirche von Wirges geworden, ohne dass deutlich war, welche Rolle sie in der Struktur der Kirchengemeinde Wirges übernehmen könnte.

Geschichtlich und strukturell ist die Stadt Wirges das natürliche Zentrum der Kirchen­gemeinde. In Wirges wurde 1897 die erste Kirche gebaut; in Wirges wohnen die meisten Gemeinde­mitglieder. Rund 22 % der Bevölkerung sind evangelisch (1.100 Gemeinde­glieder). In den zur Kirchengemeinde zählenden neun Ortschaften sind Zahl und Anteil der Evangelischen deutlich geringer. Versuche, in diesen katholisch geprägten Orten eigene evangelische Aktivitäten zu etablieren, hatten keinen nachhaltigen Erfolg. Das gilt auch für Siershahn. Daher beschloss der Kirchenvorstand im Jahr 2001, die Kirche in Siershahn zu schließen.

Mitglieder in den Ortschaften

Bemühungen um die Kirche

Der Schließungsbeschluss wurde jedoch zunächst nicht umgesetzt. Mit der Errichtung einer zweiten Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Wirges im Jahr 2003 verband sich die Hoffnung, Leben in die Kirche zu bringen. Aber auch mit zwei Pfarrern blieb Wirges das Zentrum der Kirchengemeinde, auf das sich die Aktivitäten konzentrierten.

Im Dekanat Selters entstand die Idee, die Kirche nicht mehr als Gemeindekirche, sondern als zentrale Jugendkirche des Dekanats zu nutzen. Diese Pläne wurden jedoch wieder aufgegeben.

Ende der 2000er-Jahre bestanden in Siershahn keine kirchlichen Gruppen mehr, und der Gottesdienstbesuch hatte sich auf sehr niedrigem Niveau eingependelt. Der Kirchen­vorstand stand wieder vor der Frage nach der Zukunft des Gebäudes.

Erneuter Schließungsbeschluss in 2009

Nach nochmaliger, sorgfältiger Abwägung fasste der Kirchenvorstand im Januar 2009 erneut den Beschluss, die Kirche nicht länger als Gottesdienstort zu nutzen und Wirges als Zentrum der Kirchengemeinde zu stärken. Auf einer Gemeindeversammlung im Februar erläuterte der Kirchenvorstand die Gründe für den Beschluss und stellte sich dem Gespräch mit den gut 30 anwesenden Gemeindegliedern.

In der Öffentlichkeit wurde über den Beschluss des Kirchenvorstands kontrovers diskutiert. Unter anderem gab es eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Kirche. Die Unterschriften wurden an die Kirchenleitung der EKHN nach Darmstadt weitergeleitet. Nachdem die Kirchenleitung ihre Unterstützung für die Haltung des Kirchen­vorstands erklärt hatte, nahm die Kirchengemeinde im April 2009 Abschied von der Kirche.

Suche nach einer würdigen Zukunft und Beschluss, die Kirche abzureißen

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hatte versucht, eine würdige Nutzung für das Kirchengebäude finden, um einen Abriss zu vermeiden. Priorität hatte dabei der gottes­dienstliche Gebrauch durch andere christliche Gemeinschaften (ACK-Kirchen). Mögliche Interessenten hatten ihre Pläne zur Übernahme der Kirche aber wieder aufgegeben. Deshalb beschloss die Kirchenleitung im August 2011, die Kirche abzureißen.